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Stellungnahme zur Situation der Flüchtlinge in Deutschland

Mit großer Anteilnahme verfolgen wir das Ergehen von Millionen von Menschen, die weltweit auf der Flucht sind. Laut der UNO-Flüchtlingshilfe befinden sich 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Im zurückliegenden Jahr sahen sich 13,9 Millionen Menschen gezwungen, ihr Heimatland zu verlassen.

Jetzt haben sich die Menschen zu uns auf den Weg gemacht. Innerhalb eines Jahres befinden sich über eine Million von ihnen plötzlich bei uns. Was für andere Länder schon lange Wirklichkeit ist, wird bei uns nun auch Alltag.

Nach einer anfänglichen Willkommenseuphorie setzt zunehmend eine Ernüchterung ein. Einsatzkräfte der Polizei, des THW’s, des Roten Kreuzes, soziale Einrichtungen und alle die direkt mit diesen Menschen befasst sind, sind am Rande ihrer Kräfte und Möglichkeiten. In den Lagern brechen die ersten Konflikte auf. Es fehlt an Integrationshelfern, Sprachlehrern, Administratoren, festen Unterkünften und vielem mehr. Vor diesem Hintergrund fängt die Willkommenskultur an zu bröckeln. Im Kontext der sich verändernden Stimmungslage nimmt der Süddeutsche Gemeinschaftsverband zur Situation der Flüchtlinge und für den Umgang mit ihnen wie folgt Stellung: 

 

 

1. Grundsätzlich gilt für uns: Jeder Mensch ist von Gott geschaffen, gewollt, wertgeschätzt und geachtet. Wir bekennen uns zum deutschen Grundgesetz, in dem es in den ersten Artikeln unter anderen heißt:  „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Darum begegnen wir den Menschen –unabhängig von den Gründen und Motiven die sie zu uns gebracht haben - als geliebten Geschöpfen Gottes.

 

2. Wir stellen uns der Verantwortung christlicher Nächstenliebe. An vielen Stellen weist uns Christus darauf hin, dass wir uns der Hilflosen, der Bedürftigen, der Armen und der Fremden annehmen sollen. (3.Mose 19,34; Lukas 10, 25-37)

 

3. Wir nehmen die Fragen der Asylsuchenden und die Kraft des Evangeliums ernst. Das Reden über Glaube und Religion ist den Meisten von ihnen vertraut. Sie achten Menschen, die Gott suchen, lieben und beten und die ihre heiligen Schriften ernst nehmen. Einige der Flüchtlinge sind gerade in der Anfangszeit interessiert Informationen über den christlichen Glauben zu erhalten. Als Christen teilen wir mit ihnen das, was wir in Christus gefunden haben und geben Rechenschaft von der Hoffnung, die in uns ist. Wir schämen uns des Evangeliums von Jesus Christus nicht, machen aber die Offenheit gegenüber dem Evangelium nicht zur Bedingung unserer Hilfe und Zuwendung. Wir ermutigen deshalb zu einem unaufdringlichen und taktvollen Gespräch über den christlichen Glauben.

 

4. Wir falten die Hände zum Gebet, nicht weil wir nicht anpacken wollten, sondern weil wir wissen, wie begrenzt unsere Möglichkeiten und Mittel sind. Wir erbitten von Gott dem Schöpfer des Universums die Hilfe, die wir bitter nötig haben. Wir beten für die Politiker um weise Entscheidungen. Wir beten für die Polizei, Sozialarbeiter und andere im direkten Kontakt mit den Flüchtlingen Beschäftigten um die nötige Kraft, Einfühlungsvermögen, aber auch Bewahrung. Wir beten um Frieden in den Herkunftsländern der Menschen, die zu uns gekommen sind. Wir beten für die Flüchtlinge, dass ihnen eine gute Integration gelingt und sie ihre traumatischen Erlebnisse verarbeiten können und nicht zuletzt, dass ihnen unser Herr und Heiland selber begegnet und sie ganz frei macht.

 

5. Wir betrachten die Lage weder naiv, noch extrem pessimistisch, noch geben wir denen unsere Stimme, die fremdenfeindliche Töne anschlagen. Wir sprechen uns in aller Deutlichkeit gegen jede Ablehnung, Feindseligkeit und Hass aus.

 

6. Wir wünschen uns jedoch umgekehrt, dass auch Missstände und Fehlverhalten auf Seiten der Flüchtlinge artikuliert werden können. Ein Kaschieren von Problemen im Sinne einer falsch verstandenen political correctness hilft nicht weiter, sondern frustriert Menschen.

 

7. Wir stehen zum Grundgesetz und seinen Werten und wir erwarten deshalb von Flüchtlingen die Achtung unserer im Grundgesetz verankerten Werte der Achtung der Menschenwürde, der Religions- und Meinungsfreiheit, der Gleichberechtigung von Mann und Frau. (§3, Abs. 3 GG). In diesem Sinne erwarten wir von Muslimen die Achtung von Frauen und Kindern, sowie der Christen in den Unterkünften und unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger.

 

8. Wir fühlen uns in besonderem Maße christlichen Flüchtlingen verpflichtet, die wegen ihres Glaubens um Leib und Leben fürchten mussten und deshalb ihre oftmals muslimischen Heimatländer verlassen mussten. Es ist für uns ein untragbarer Zustand, dass ihnen in deutschen Flüchtlingsheimen erneut Gefahr droht.

 

9. Wir danken in diesen Tagen besonders der deutschen Polizei, den Sicherheitskräften  und den vielen ehrenamtlichen Helfern für Ihren verantwortungsvollen und schweren Einsatz und wollen sie mit unseren Gebeten begleiten.

Es ist uns bewusst, dass das Grundrecht auf Asyl nur dann Bestand haben kann und wird, wenn es nicht fortwährend und über die Maßen missbraucht wird. Deshalb gilt unsere Solidarität auch den Behörden und der Polizei, wenn der schwierige und schmerzhafte Schritt der Abschiebung bei einem nicht bewilligten Asylantrag erfolgen muss.

 

10. Wir ermutigen deutsche Bürger, sich nicht von Angst bestimmen zu lassen, sondern mutig und offen auf die Menschen zuzugehen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten einen Beitrag zur Hilfe und zur Integration zu leisten.

Wir raten denen, die helfen möchten, mit staatlichen Stellen zu kooperieren und sich bestehenden Initiativen anzuschließen.

 

 

Wir begreifen diese Situation als eine Herausforderung für unseren christlichen Glauben.

Der christliche Glaube lebt nicht in der Distanz zu oder durch die Bewahrung vor anderen Religionen, sondern in der Begegnung mit und im Zeugnis gegenüber anderen Religionen.

 

Dietmar Kamlah, Markus Siegele, Ernst Günter Wenzler im Oktober 2015

(Vorstand des Süddeutschen Gemeinschaftsverbandes)

 

 

Stellungnahme zur Situation der Flüchtlinge in Deutschland in Anlehnung an die Stellungnahme der Liebenzeller Mission (www.liebenzell.org)